Thure von Uexküll-Akademie

für Integrierte Medizin

Die Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin

Warum brauchen wir eine Integrierte Medizin?

Integrierte Medizin, wie Thure von Uexküll sie konzipiert und verstanden hat, hat keinen supplementären oder komplementären Charakter, sie geht nicht in Opposition zur Schulmedizin, und sie versteht "Ganzheitlichkeit" nicht als Betrachtungsweise von außen im Sinne von "ich sehe mir den ganzen Menschen an". Wer Krankheit, Kranksein (und damit auch das Menschsein) in seiner Komplexität verstehen will, muss sich damit auseinandersetzen, dass es neben der Praxis auch eine Theorie der Medizin braucht, um Krankheit und Gesundheit verstehen zu können. Für Thure von Uexküll gehörte beides untrennbar zusammen. Der Gedanke, den Menschen „objektiv“ zu betrachten, zu zerlegen und zu erforschen, um ihn dann irgendwie wieder zu einem Subjekt zusammenzusetzen, war ihm fremd. Er drückte es einmal so aus: „Der Mensch lässt sich nicht nachträglich in die Heilkunde einführen.“

Das Wirken Thure von Uexkülls ist nicht ohne das Werk seines Vaters Jakob von Uexküll zu verstehen, der Biologe war. Wie die Medizin versuchte auch die Biologie über viele Jahrzehnte hinweg und bis heute, physiologische Lebensvorgänge mit physikalischen Grundprinzipien zu erklären. Newtons Erbe der Mechanik war bzw. ist so wirkmächtig, dass sich nahezu die gesamte Naturwissenschaft darauf geeinigt zu haben scheint, damit alle notwendigen und hinreichenden Bedingungen definiert zu haben, um die Welt zu erklären. Das gilt vielleicht für die Welt der Teile und der Technik, aber nicht die Welt des Lebens, die Welt der Organismen. Vater und Sohn waren von der Idee geleitet, dass Organismen mehr sind als hochkomplexe Maschinen. Sie waren aber auch nicht bereit, auf metaphysische Erklärungen zurückzugreifen, um die Verstehenslücke zu schließen, die sich zwangsläufig auftut, wenn man die Frage beantworten will, warum Lebewesen so unvorhersehbar und unterschiedlich auf scheinbar gleiche Einwirkungen reagieren.

Integrierte Medizin

Die Grundgedanken von Uexkülls beruhen auf drei Konzeptionen: Konstruktivismus, Biosemiotik und Systemtheorie. Der zentrale, grundlegend neu gedachte Begriff der Integrierten Medizin, der aus diesem Verständnis entsteht, ist der Begriff der Passung. Von Uexküll sah „lebende Körper als Einheit aus Organismus und Umwelt“. Damit verschwimmt die Grenze zwischen Innen und Außen und zirkuläre Prozesse treten in den Vordergrund. Die Notwendigkeit, Passungen herstellen zu können, zieht sich ebenso wie das Verständnis für Zeichenprozesse durch alle Systemebenen. Es geht gar nicht so sehr um die Frage, ob beispielsweise bei der Entstehung einer Erkrankung psychische Ursachen auch eine Rolle spielen. Vielmehr ist es die Aufgabe der Ärztin oder des Arztes zu schauen, auf welcher Ebene eine Passungsstörung vorliegt oder droht. Dieser Ansatz ist sehr komplex und geht nicht in einem Begriff der "Naturmedizin" auf. Auch Körper plus Psyche war für Uexküll kein Konzept, sondern nur additiv gedacht. Psyche war für ihn kein Gespenst in einer Maschine (Uexküll 1999), dass nicht zu greifen ist. Er hielt die bisherigen Modellvorstellungen einer biomechanischen Medizin auch nicht für völlig falsch, sondern für unvollständig und ergänzungsbedürftig.

Dieses Modell, das den Menschen in seiner individuellen Wirklichkeit als Einheit des Überlebens beschreibt, war für Thure von Uexküll der Ausgangspunkt einer Heilkunde, die den psychophysischen Dualismus zu überwinden versucht. Eine sprechende Medizin, die gemeinsame Wirklichkeiten zwischen Ärzten und Patienten zu konstruieren weiß, war für ihn nicht allein ein Gebot der Humanität. Sie ist zugleich der Weg, die dualistische Befangenheit der gesamten Heilkunde in Theorie und Praxis zu überwinden. Thure von Uexküll war daher strikt gegen ein eigenständiges Fach namens Psychosomatik.

Psychosomatik ist in dieser Denkweise nichts anderes als ein Synonym für Humanmedizin. 

Wie arbeitet die Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin?

Arbeit am Modell

- Modellwerkstatt - Alle zwei Jahre veranstaltet die AIM eine akademie-interne Modellwerkstatt. Sie dient der Auseinandersetzung mit den oben genannten Fragestellungen, insbesondere auch der Weiterentwicklung des theoretischen Rahmens und der Reflektierten Kasuistik.
Jahrestagungen - Alle zwei Jahrewidmet sich eine Jahrestagung einem Thema aus dem Spektrum der Integrierten Medizin. Die Tagungen beginnen in der Regel mit einem Forschungsforum, das sich interdisziplinär mit Arzt-Patienten-Kontakten (z. T. in Form von Mikroszenen) beschäftigt, z.B. anhand von Video- oder Sprachanalysen. Vorträge und Diskussionen der letzten Jahrestagungen sind auf CD erhältlich.
Regionalgruppen - In verschiedenen Teilen Deutschlands gibt es Regionalgruppen, die sich kontinuierlich austauschen und mit den Themen der AIM beschäftigen.
- Schriftenreihe der AIM - Die Bücher aus dieser Schriftenreihe im Schattauer-Verlag stammen von Autoren, die Mitglieder der AIM sind oder ihr nahe stehen. Alle Bücher sind zum Vorzugspreis für Mitglieder erhältlich.

Kontaktadressen

Internethttp://www.uexküll-akademie.de,
Email
info@uexkuell-akademie.de

Für Auskünfte über Beitritt und Mitgliedsbeitrag, Organisation und Kontakte bei der AIM ist die Geschäftsstelle zuständig:
Dr. Gisela Volck, Kurhessenstraße 19, 60431 Frankfurt, Email: aim@uexkuell-akademie.de

Die Regionalgruppe Frankfurt trifft sich etwa alle 4 Wochen, Kontakt: frankfurt@uexkuell-akademie.de

Die AIM ...


- ist von Thure von Uexküll gegründet worden und
mit der Leitidee der Medizin befaßt

- trifft sich alle zwei Jahre zu einer Modellwerkstatt und veranstaltet alle zwei Jahre eine öffentliche Tagung

- hat eine eigene Schriftenreihe und ihre wichtigsten Ansätze und Aufsätze in einem Sammelband veröffentlicht